WreckAMovie - Die Crowd macht Hollywood
Die Filmindustrie ist ein Geschäft, bei dem viel Geld verloren geht. Es ist ein Risikokapitalgeschäft, denn Filme müssen vorfinanziert werden, ohne dass die Investoren wissen, ob der fertige Film seine Produktionskosten jemals wieder einspielen wird. Die Filme der große Hollywoodstudios werden immer teurer, die großen Stars des Business verdienen immer mehr Geld. Gleichzeitig gehen aber immer weniger Leute ins Kino. Viele gehypte Blockbuster spielen ihre Produktionskosten gar nicht,oder nur knapp wieder ein. Der Weg für Newcomer ins Filmgeschäft scheint auch immer steiniger zu werden.
Aber gleichzeitig gibt es viele neue Bewegungen, Filme billiger, schneller, einfacher, effektiver und vor allem auch weniger an der Masse vorbei zu produzieren. Was liegt da näher, als auch Crowdsourcing wo es nur geht in der Filmproduktion einzusetzen. Und wenn man sich genauer umsieht, so findet man viele verschiedene Crowdsourcingprojekte in der Filmindustrie. Crowdsourcing scheint sich gerade zu dem neuen Trend bei der Filmproduktion zu entwickeln. Mit unserem Artikel über Amazon Studios haben wir bereits angefangen, diesen Trend ein wenig zu beleuchten. Heute wollen wir dies zunächst mit einer Beschreibung von WreckAMovie fortsetzen. Weitere Artikel werden folgen.
Die Community WreckAMovie wendet nach eigener Aussage die Prinizipien für die Entwicklung von Open Source Software auf die Filmproduktion an. Jeder kann auf der Plattform ein Filmprojekt anlegen und in einzelne Aufgaben zerlegen. Mit Projekten sind dabei jede Art von Filmen gemeint, ganz egal ob Werbeclip, Kurzfilm, Dokumentation oder Spielfilm. Die Filmproduktion wird dabei in kleine Aufgaben zerlegt. Das geht beim schreiben des Drehbuchs los und endet beim Endschnitt des Films. Andere Teilnehmer der Community können dem Projekt beitreten und diese Aufgaben übernehmen. Teilnehmer geben die Rollen an, die sie bei einem Projekt übernehmen können (z.B. Regisseur, Kameramann oder Schauspieler). Auf diese Weise kann die komplette Filmproduktion abgewickelt werden, aber auch nur Teile eines Projekts ausgelagert werden.
WreckAMovie ist eine Initiative des finnischen Star Wreck Studios, welches mit einem Budget von 20.000 Euro 2007 die Science-Fiction-Satire “Star Wreck - In the Pirkinning” fertigstellte und so, mit Hilfe von Crowdsourcing den erfolgreichsten finnischen Film aller Zeiten produzierte. Das beeindruckende an “Star Wreck” war dabei vor allem, dass die Effekte annähernd Hollywoodniveau erreichten.
Diesen Erfolg will man nun mit WreckAMovie weiterführen und dabei gleichzeitig jedem anderen Studio oder Filmliebhaber die gleichen Möglichkeiten eröffnen. Dabei hat WreckAMovie schon beeindruckende Erfolge zu vermelden: Eine Reihe von Kurzfilmen, Dokumentationen und auch einige Spielfilme wurden schon mit Hilfe von WreckAMovie fertig gestellt. Diese besitzen allesamt professionelle Produktionsqualitäten und liefen großteils sogar im Kino. Beispiele hierfür sind das finnische Horror- und Kriegsdrama “Sauna” und die weitgehend deutsche Produktion “Snowblind”. Weitere Beispiele lassen sich auf der Seite von WreckAMovie finden.
Das nächste Projekt der Star Wreck Studios ist “Iron Sky”. Es wird ebenfalls über WreckAMovie realisiert. Das Budget ist dieses Mal etwas größer: 6,9 Millionen Euro nennt IMDB.com. Das erklärte Ziel des Projektes ist es “größer als Star Wars” zu werden. Jeder Filmkritiker würde die Handlung wahrscheinlich als B-Film-Quatsch bezeichnen: Nazis verlassen 1945 die Erde und verstecken sich auf der dunklen Seite des Mondes, um 2018 mit einer Armada an Raumschiffen zurückzukehren. Aber welcher Filmkritiker hätte nicht das gleiche über Quentin Tarantinos Megaerfolg Inglorious Basterds gesagt, bevor dieser veröffentlicht wurde? Die ersten Trailer des Films scheinen zumindest zu belegen, dass der Film die Produktionsqualität von um ein vielfaches teureren Hollywoodproduktionen erreicht und teilweise übertrifft. Fängt Jerry Bruckheimer jetzt an zu schwitzen?

