Was ist eigentlich Crowdsourcing?

Published by Susanna on Di, 10/18/2011 - 20:09 in
www.bitrebels.com/social/a-visual-explanation-of-crowdsourcing-infographic/

Crowdsourcing ist gerade ein Modewort, vor allem in der Internetgemeinde. Gleichzeitig ist vielen aber gar nicht klar, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Deshalb versuchen wir uns hier einmal an einer allgemeinen Definition bzw. Erklärung.

Was genau ist denn nun eigentlich Crowdsourcing? Der Begriff selbst ist eine Wortschöpfung aus den englischen Begriffen ‘Crowd’ + ‘Sourcing’, Crowd bezeichnet eine große Ansammlung aus Personen, und Sourcing lässt sich unter anderem als die ”Beschaffung von Mitteln” übersetzen. Also ist Crowdsourcing die Beschaffung von Mitteln aus einer großen Masse von Personen, wobei die Mittel ganz verschiedener Art sein können. So erklärt sich auch, dass z.B. Crowdworking, Crowdfunding, Micro Tasking, Virales Marketing, Open Innovation, Crowd Innovation, Wikinomics, Mass Collaboration, uvm. alles Spielarten von Crowdsourcing sind.

Gemeint ist mit Crowdsourcing immer der selbe Vorgang: Unternehmen oder Organisationen, die eine Aufforderung an eine größere Menge von Personen richten, die dann die gestellte Aufgabe entweder im Wettbewerb oder in Zusammenarbeit lösen und so zu einer besseren (oder überhaupt einer) Lösung beitragen. Die Begriffschöpfung rückt Crowdsourcing übrigens nicht ganz zufällig in die Nähe des Outsourcing, also der Auslagerung von Abläufen an externe Anbieter, denn Crowdsoucing wird häufig auch als Alternative hierzu angesehen.

Wer nutzt denn Crowdsourcing? und Wie? Die Frage ist in diesem Blog teilweise schon durch die älteren Beiträge beantwortet: viele große und kleine Firmen auf ganz unterschiedliche Art und Weise, hier haben wir nur wenige Beispiele noch einmal hervor gekramt:

  • Netflix ein US-Amerikanischer Videoverleih ließ die Crowd den Algorithmus der Vorhersage, welcher Film gut laufen würde entscheidend verbessern und vergab dafür 1 Mio. US $
  • Amazon bietet mit dem Mechanical Turk eine Mikrotask-Plattform auf der Unternehmen Aufgaben einstellen können, die in großer Masse anfallen, die aber eine Maschine nicht zufrieden stellend erledigen kann und die daher von einer Masse von Menschen erledigt werden
  • Amazon crowdsourced auch Drehbücher, Tablereads und Testfilme
  • Wikipedia dieses Beispiel kennt wohl jeder - die Crowd erstellt gemeinsam die größte Online-Enzyklopädie
  • Threadless baut ihr gesamtes Geschäftsmodell auf Crowdsourcing auf: vom Design der T-Shirts bis zur Entscheidung welche Designs in Produktion gehen, die Crowd arbeitet mit
  • Designplattformen wie designenlassen.de und 12Designer ermöglichen die Ausschreibung von Design-Aufträgen
  • Fiat und andere Unternehmen setzen Crowdsourcing in der Produktentwicklung ein
  • Es gibt unzählige weitere Anwendungsbeispiele von großen und kleinen Firmen, über das ein oder andere Projekt werden wir in der Zukunft noch berichten. Einige werden Schlagzeilen machen, andere werden eher leise ablaufen.

    Aber wie ‘groß’ ist Crowdsourcing? Es gibt Zahlenangaben, die 1-2 Milliarden $ an rund 1 Mio. Crowdworker nennen (Link auf die Infografik). Aber natürlich sind solche Daten nur sehr schwer zu beziffern ist - denn wo fängt Crowdsourcing an und wo hört es auf? Ich glaube nicht, dass das Ende der Möglichkeiten von Crowdsourcing erreicht ist, die Ideen, Ansätze und Hilfsmittel, die Crowd noch besser zu erreichen und effizienter einzusetzen werden täglich besser.

    Was sind die Vorteile von Crowdsourcing?

    • Crowdsourcing kann Unternehmen mit Kunden, Nutzern, Fans und Zuhörern verbinden - z.B. bei viralem Marketing oder bei der Produktentwicklung
    • Unternehmen können mit Crowdsourcing oft bessere Lösungen finden als ohne die Crowd
    • die durch Crowdsourcing entwickelten Produkte sind oft schon ‘Markt’-konform erstellt, da der Markt an der Entwicklung mitgewirkt hat
    • Für kleine Firmen kann Outsourcing über Crowdsourcing die fixen Kosten gering halten
    • Crowdsourcing kann Erfindern, Innovationsgebern und Problemlösern ungeahnte Chancen eröffnen, neue Kontakt herstellen und Profilierungsmöglichkeiten schaffen

    Was sind die Risiken bei Crowdsourcing?

    • Niemand garantiert, dass von der Crowd geschaffene Produkte Qualitätsstandards entsprechen oder die erwünschte Wirksamkeit haben
    • Crowdsourcing kann den Markt für bestimmte Leistungen neu ordnen und vormals hochwertige Spezialleistungen über die Crowd billig verfügbar machen
    • Bezahlungen für kleine Aufgaben sind oft sehr gering oder nicht vorhanden - die Mitarbeiter- oder Kundenbindung kann darunter leiden
    • Crowdsourcingprojekte - insbesondere virale Kampagnen - können “nach hinten losgehen”, wie das z.B. Henkel mit dem Spülmittel Pril passiert ist

    All diese Überlegungen hat Obizmedia in einer (englischsprachigen) Infografik zusammen gestellt - Viel Spass damit!