Outsourcing mit Crowdsourcing - Was sind die Verbindungen?

Published by Susanna on So, 01/22/2012 - 13:02 in
Schwarm

Der Begriff Crowdsourcing kommt von dem Wort Outsourcing - das ganze Prinzip enthält den Ansatz der Nutzung der Crowd für Aufgaben, die man sonst innerhalb des Unternehmens abdecken müsste. Doch welche Möglichkeiten hat ein Unternehmen, den klassischen Outsourcing-Prozess mit Crowdsourcing zu unterstützen?

Einerseits geht es da um die direkte Vergabe von Aufgaben an eine Crowd. Wir haben dazu hier im Blog schon eine Reihe von Ansätzen vorgestellt: von Designplattformen, über Mikro-Tasking hin zur Einbeziehung der Crowd in die Produktentwicklung.

Zusätzlich kann man Crowdsourcing aber auch einsetzen bei der Suche nach passenden Auftragnehmern für Aufgaben, die man an Externe vergeben möchte - also bei der Vergabe klassischer Outsourcing-Projekte. Dazu gehören z.B. Programmierprojekte, Beratungsprojekte, Marketingkampagnen und vieles mehr. Angesichts der unsicheren Wirtschaftslage werden auch in anderen Unternehmensbereichen immer stärker Aufgaben ausgelagert, z.B. werden auch Teile von Forschung und Entwicklung eingekauft, Kooperationen eingegangen, externe Forschungsprojekte finanziert.

Hier ist die Suche nach dem richtigen Auftragnehmer/Partner oft schon das größte Problem. Wie kann man da in der Crowd nach dem richtigen Auftragnehmer oder Projektpartner suchen? Gerade für ausgefallene oder innovative Fragestellungen ist es entscheidend, dass möglichst viele potentielle Problemlöser von der Frage erfahren und Lösungsangebote machen können. Der Preis ist dann bei der Entscheidung, an wen ein Auftrag vergeben werden soll, oft eher zweitrangig - weit hinter der Frage der Qualität und der Machbarkeit einer Lösung stehen.

Auch für die Suche nach Lösungen gibt es inzwischen eine Reihe von Plattformen und Crowdsourcingangeboten, die sich in Details und Anwendungsmöglichkeiten deutlich unterscheiden. Hier eine kleine Auswahl mit Fokus auf dem deutsche Markt - international gibt es natürlich viele weitere, die wir sicher auch noch einmal in diesem Blog ansprechen werden.

Ausschreibungsplattformen
Klassische Ausschreibungen und Ausschreibungen öffentlicher Einrichtungen werden auf Ausschreibungsplattformen wie zB www.dtad.de veröffentlicht. Hier sind die Ausschreibungen zwar für jeden abrufbar, allerdings zahlen die Abrufer schon für das pure Einsehen, Lesen und ggf. Herunterladen einer Ausschreibung eine Gebühr. An dem Abschluss selbst ist die Ausschreibungsplattform meist nicht beteiligt. Als Crowdsourcing kann man diese Plattformen eigentlich nicht bezeichnen. Durch die von jedem Interessenten zu zahlende Gebühr, werden hier die Ausschreibungen von vornherein nur von Unternehmen abgerufen, die sich hohe Gewinnchancen ausrechnen, eine Crowd wird so nie erreicht werden.

Festpreisplattformen
Ähnlich wie auch auf den Designplattformen, gibt es auch allgemeinere Plattformen, auf denen Projektausschreibungen veröffentlicht werden, bei denen der Preis und die Rahmehnbedingungen feststehen. Auf Plattformen wie zB Twago findet der Projektabschluss direkt auf der Plattform statt, die Plattform verdient an dem Abschluss einen Prozentsatz für die Vermittlung. Ähnlich wie die Designplattformen besteht hier die Gefahr, dass in erster Linie versucht wird, ‘billige’ Lösungen zu finden. Für große Projekte oder Projekte bei denen die genauen Rahmenbedingungen und Umsetzungswege noch gar nicht feststehen, sind diese Plattformen nicht geeignet. Denn bei großen, innovativen und wichtigen Projekte spielt der persönliche Kontakt und die Ausarbeitung der genauen Projektabläufe eine große Rolle und diese müssen bei großen Projekten einem Abschluss vorausgehen. Die Art der Aufträge und die potentiell erreichbaren Projektpartner sind auf Plattformen mit Projektabschluss anonym auf der Plattform durch die Abschlussmodalitäten beschränkt.

Innovationsplattformen
Die bereits beschriebene Innovationsplattform innocentive schreibt Aufgaben und Fragestellungen aus, bei denen die Lösung nicht trivial ist - es geht also vor allem darum eine (innovative) Lösung zu finden. Die Lösung und die Preisvergabe findet direkt auf der Plattform statt. Die Plattform stellt dazu auch Projekträume zur Zusammenarbeit und Diskussion bereit. Auch innocentive spricht eher eine kleine exklusive Crowd an, der Abschluss findet online statt. Für die vorangehende Verbreitung der Fragestellung an eine möglichst große Crowd sind Innovationplattformen nicht geeignet.

Projekt-Boards
In vielen Fällen sucht man nach Lösungen und Lösern. Dabei geht es nicht unbedingt um Innovationen, sondern einfach darum eine gute Lösung für eine Frage oder ein Problem zu finden. Das kann von kleinen Aufträgen wie der Transport von bestimmten Gütern von Punkt A nach B bis hin zu Großprojekten wie der Bau eines Hotels nahezu alles sein. Dabei steht oft die genaue Ausgestaltung des zu vergebenden Projektes noch gar nicht fest, sondern ergibt sich auch aus den Lösungsvorschlägen. Das Interesse für den Ausschreibenden/Problemsteller besteht hier darin, möglichst viele Interessenten auf seine Projektanfrage aufmerksam zu machen, um eben auch möglichst gute (und gerne auch verschiedenartige) Lösungsvorschläge zu bekommen. Dazu gibt es spezielle Plattformen wie exploreB2B. Hier wird über die Plattform in erster Linie die Ausschreibung/Veröffentlichung der Anfrage, die Verbreitung und die Kontaktherstellung zwischen Fragesteller und potentiellen Lösern sicher gestellt. Dabei werden bewusst keine Provisionen oder Vermittlungsgebühren erhoben und jeder kann die Problemstellung einsehen und diese weiter verbreiten - denn die erreichte Crowd an potentiellen Lösern soll möglichst groß sein. Der Erstkontakt zB für Nachfragen findet dann auch der Plattform selbst statt. Fragen von allgemeinem Interesse können so als Ergänzung zur Fragestellung öffentlich gemacht werden.

In Zukunft wird es sicher noch weitere Ansätze zum Erreichen der Crowd geben - wir halten Sie auf dem Laufenden.