Der Brigitte – ein etwas anderer Modell-Wettbewerb

Im November vergangenen Jahres startete das Versandhaus Otto einen Wettbewerb für die Facebook-Fanpage von Otto. Gedacht als Modell-Contest sollte der/die Sieger(in) 2 Wochen lang das Gesicht der Fanpage sein. Doch Otto hatte die Rechnung ohne die Facebook-Nutzer gemacht. Zwar schickten wie erwartet tausende Möchtegern-Models Bilder ein, doch der Renner war schnell ein Kandidat, der den Wettbewerb wohl eher auf die Schippe nehmen wollte:
Sascha Mörs bewarb sich mit einem Foto von sich in Frauenkleidern (geborgt von seiner Mutter für eine Faschingsfeier) als ‚Brigitte‘. Sascha brachte seinen Erfolg mit der Verbreitung seiner Bewerbung unter seinen 400 Facebook-Freunden und mit Flyern selbst auf den Weg – den viralen Prozess, den er damit in Gang setzte, hatte aber wohl selbst er nicht erwartet: 23.000 Facebook-Nutzer stimmten für ‚der Brigitte‘ ab. Die Zweitplatzierte (Klara) -abgeschlagen mit 16.000 Stimmen - hätte wohl eher den Erwartungen der Veranstalter entsprochen.
Mit dem Hype, den ‚der Brigitte‘ auslöste hatte so wohl selbst das Versandhaus Otto nicht gerechnet: täglich rund 10.000 neue Fans bescherte ‚der Brigitte‘ dem Versandhaus. Wer sollte da böse sein. Nur Sascha war am Ende doch reichlich genervt, wie er in einem Interview mit Spiegel-Online zugab: seine ganze Facebook-Pinnwand war mit Brigitte-Posts zugemüllt. (Das Interview mit Spiegel-Online gibt es hier: http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,730818,00.html)
Otto reagierte souverän und nahm die Geschichte mit Humor: statt sich über den Gewinner zu ärgern, wurde ‚der Brigitte‘ kurzerhand zum Fotoshooting eingeladen und zierte wie versprochen die Fanpage von Otto bei Facebook. Zugleich bescherte die Aktion Otto eine riesige Presse-Aufmerksamkeit – kaum ein Online-Magazin, welches nicht über die Aktion berichtete.
Zwei Dinge machten die Aktion für Otto zu einem derartig großen Erfolg: ‚der Brigitte‘ und die Reaktion von Otto.
1) Sascha Mörs alias ‚der Brigitte‘ hatte gleich zu Anfang verstanden, dass es bei solchen Aktionen darauf ankommt einen viralen Prozess in Gang zu setzen und dass ein derartiger viraler Prozess zunächst ins Rollen gebracht werden muss: seine eigene recht umfangreiche Sammlung an Facebook-Freunden ergänzte er durch offline-Aktionen wie Flyer, die er, seine Freunde und Familie verteilten. So wurde Brigitte unter den 50.000 Bewerbern bekannt und landete auf der ersten Seite der Bewerberliste – der Rest ist Geschichte.
2) Otto: dass man auch humorlos reagieren und die Facebook-Gemeinde schnell verärgern kann, hat Henkel mit der Pril-Aktion gezeigt (wir berichteten http://go-crowdsourcing.de/articles/facebook-marketing-henkel-zeigt-mit-...). Otto hatte die Lacher schnell auf seiner Seite, denn sie spielten mit. Brigitte wurde wie versprochen zu einem Foto-Shooting eingeladen und schließlich das Gesicht der Facebook-Seite und ist sicher allen Beteiligten fester und nachhaltiger in Erinnerung als es jedes schöne Modell jemals erreicht hätte. Zudem wurde die Aktion damit ein PR-Gag: Blogs, Magazine – alle berichteten über das neue Gesicht bei Otto: ‚der Brigitte‘. Sowohl über die Geschichte wie aus Sascha ‚der Brigitte‘ wurde, als auch über das Fotoshooting und die ganze virale Aktion wird immer noch gesprochen. Was hätte Otto mehr erreichen können?
Zu diskutieren ist allerdings, ob Sascha wirklich ein Gewinner der Aktion ist: neben Beschimpfungen als Schwuchtel und Transe, muss er auch damit rechnen, dass er nun auf ewig im Internet mit ‚der Brigitte‘ und einer Spaßaktion in Frauenkleidern in Verbindung gebracht wird. Das Netz vergisst nicht.
Mehr zu dem Wettbewerb und ‚der Brigitte‘ auch hier:
http://www.bloxxo.de/brigitte-ist-kein-fake-und-ottos-grosser-gluecksgriff/
http://www.netzwelt.de/news/84862-otto-brigitte-werbe-aktion-facebook-en...
und auf unzähligen weiteren Internetseiten…

